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Integrierter Pflanzenschutz

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugende Ma√ünahmen bilden die Basis des integrierten Pflanzenschutzes. Sie verfolgen das Ziel, Boden und Pflanzen gesund zu erhalten und die Widerstandskraft der Pflanzen gegen√ľber Schaderregern zu st√§rken bzw. keine einen Schaderregerbefall beg√ľnstigenden Bedingungen zu schaffen.

Bodengesundheit und Bodenbearbeitung

Angestrebt wird ein gesunder, aktiver und belebter Boden, der ein krankheitshemmendes Potenzial mit sich bringt. Ein solcher Boden zeichnet sich durch einen ausreichenden Gehalt an Humus (organische Bodensubstanz) aus sowie durch optimierte Umsetzungsbedingungen, wie gute Durchl√ľftung, Wasserversorgung und pH-Wert. Unter diesen Bedingungen k√∂nnen Wechselwirkungen und Regelmechanismen wirksam werden, die das Entstehen von Krankheiten verhindern und somit die Pflanzengesundheit f√∂rdern. Eine optimale Bodenbearbeitung zielt darauf ab, eine maximale Durchwurzelung des Bodens als Voraussetzung f√ľr eine optimale Pflanzenentwicklung zu erm√∂glichen.

Die Bodenbearbeitung hat einen wichtigen Einfluss sowohl auf die Boden- als auch auf die Pflanzengesundheit. Bei der wendenden Bodenbearbeitung mit dem Pflug werden Erntereste vollst√§ndig in den Boden eingearbeitet. Der Pflug ist ein gutes Instrument zur Regulierung von Unkr√§utern und Feldm√§usen. Zus√§tzlich kann eine Pflugfurche die Gefahr reduzieren, das bestimmte Krankheiten, zum Beispiel Fusarium, an den Ernteresten √ľberdauern k√∂nnen. Allerdings kann der Pflugeinsatz auch Nachteile f√ľr die Bodengesundheit mit sich bringen. Bei der reduzierten Bodenbearbeitung wird auf den Pflug verzichtet und mit m√∂glichst wenigen Arbeitsg√§ngen, zum Beispiel mit dem Grubber, der Boden gelockert. Pflanzenreste bleiben dabei auf der Bodenoberfl√§che zur√ľck und hemmen so die Erosion. Zus√§tzlich st√∂rt diese Form der Bodenbearbeitung das Bodenleben kaum und spart Energie und Kosten beim Maschineneinsatz. In Abh√§ngigkeit von den Bodenverh√§ltnissen und der Fruchtfolge sollten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bodenbearbeitungsformen abgewogen und situationsbezogen eingesetzt werden.

Kulturf√ľhrung und Sortenwahl

Der Aussaattermin, die Pflanzendichte oder die D√ľngung sind nur eine Auswahl von Ma√ünahmen in der Kulturf√ľhrung, die einen Einfluss auf die Pflanzengesundheit haben k√∂nnen. So kann zum Beispiel eine fr√ľhe Aussaat von Winterraps einen st√§rkeren Befall mit Sch√§dlingen wie dem Rapserdfloh oder der kleinen Kohlfliege zur Folge haben. Eine hohe Stickstoffd√ľngung beg√ľnstigt das Auftreten von Blattl√§usen und Echten Mehltaupilzen. Eine ausgewogene D√ľngung vermeidet Mangelerscheinungen und dient der Pflanzengesundheit. Insbesondere im Gartenbau ist auch eine richtige Bew√§sserungstechnik wichtig, um einerseits eine gute Wasserversorgung im Sommer sicherzustellen aber andererseits Pilzkrankheiten nicht zu f√∂rdern.

Die Wahl standortangepasster und krankheitsresistenter oder toleranter Sorten ist ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf Pflanzengesundheit und Widerstandsf√§higkeit gegen√ľber Schaderregern. Die Pflanzenz√ľchtung kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Wichtig ist es dabei, dass resistente Sorten auch gute Anbaueigenschaften und eine hohe Ertragsleistung miteinander verbinden.

Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz beschreibt die Z√ľchtung und Einf√ľhrung neuer resistenter Sorten als eine Ma√ünahme, um die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Ma√ü zu beschr√§nken.

Vielfältige Fruchtfolge

Eine vielf√§ltige, auf die jeweiligen Standortbedingungen abgestimmte Fruchtfolge ist eine wichtige Ma√ünahme zur Erhaltung der Pflanzengesundheit und zur Unkrautregulierung im Acker- und Gem√ľsebau.

Um einem Aufschaukeln von Fruchtfolgekrankheiten entgegenzuwirken, sind notwendige Anbaupausen unbedingt zu einzuhalten. Bei Getreide sollte ein Fruchtfolgeanteil von maximal zwei Drittel angestrebt werden. F√ľr andere Kulturen wie Ackerbohne oder M√∂hre empfehlen sich deutlich l√§ngere Anbaupausen von mindestens vier Jahren. Ein Fruchtwechsel von Halmfr√ľchten (Getreide) und Blattfr√ľchten (zum Beispiel Raps, Kartoffeln, Zuckerr√ľben, Feldgem√ľse) sowie von Sommerungen und Winterungen vermeidet, dass sich Problemunkr√§uter wie Windhalm oder Wei√üer G√§nsefu√ü ausbreiten. Zwischenfr√ľchte und Untersaaten sind eine wichtige Erg√§nzung der Fruchtfolgegestaltung. Sie tragen zur Bodenfruchtbarkeit und Unkrautunterdr√ľckung bei.

Hygienemaßnahmen

Die richtige Feldhygiene beginnt bereits vor der Aussaat, denn Krankheiten k√∂nnen √ľber das Saatgut oder das Pflanzmaterial auf den Acker gelangen. Dies l√§sst sich durch den Kauf von zertifiziertem Saat- und Pflanzgut vermeiden. Durch verschiedene weitere Ma√ünahmen der Hygiene kann einem Befall mit Schadorganismen zus√§tzlich vorgebeugt werden. Zum Beispiel k√∂nnen Unkrautsamen oder auch bestimmte Sch√§dlinge √ľber Bodenanhaftungen an Ger√§ten verschleppt werden. Im Obstbau ist eine √úbertragung von Krankheiten √ľber Schneidwerkzeuge beim Baumschnitt m√∂glich. Eine regelm√§√üige Reinigung und bei Bedarf auch Desinfektion von Arbeitsger√§ten hilft, diese Probleme zu vermeiden. In einigen Kulturen unterst√ľtzt das Mulchen oder M√§hen der Feldr√§nder dabei, die Einwanderung von Unkr√§utern oder Sch√§dlingen zu bremsen. Allerdings sind Feldr√§nder auch R√ľckzugsorte f√ľr N√ľtzlinge, so dass solche Ma√ünahmen sorgsam abzuw√§gen sind.

N√ľtzlingsf√∂rderung

Eine strukturierte Agrarlandschaft mit Hecken und Randstreifen in Form von qualitativ hochwertigen Saumbiotopen bietet Lebensraum f√ľr N√ľtzlinge (unter anderem best√§ubende Insekten, V√∂gel), die nat√ľrlichen Gegenspieler der Sch√§dlinge. In einem solchen Agrar√∂kosystem wird ein hohes Ma√ü an Selbstregulation gew√§hrleistet.

Der Nationale Aktionsplan spricht sich deshalb daf√ľr aus, den Anteil von Lebens- und R√ľckzugsr√§umen f√ľr Nutzorganismen in der Agrarlandschaft zu erh√∂hen. Die Bundesl√§nder unterst√ľtzen dieses Ziel, indem sie √ľber F√∂rderprogramme Landwirte und G√§rtner bei verschiedenen Ma√ünahmen zur F√∂rderung der Biodiversit√§t, wie das Anlegen von Bl√ľhstreifen oder Streuobstwiesen, unterst√ľtzen.

Neben der gezielten N√ľtzlingsf√∂rderung ist auch die Schonung von Nutzorganismen bei allen Pflanzenschutzma√ünahmen zu beachten. Weitere Informationen zur F√∂rderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft sowie √ľber den Sch√ľtz von N√ľtzlingen und anderen Nichtzielorganismen im Pflanzenschutz sind auf der folgenden Themenseite zu finden:

Themenseite ‚ÄěSchutz terrestrischer Organismen‚Äú