Quote der Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte (RHG) Deutscher Pflanzenschutzindex

Stand: 03.11.2021

Einleitung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein können, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung im Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wird der Indikator "Quote der Überschreitung der Rückstandhöchstgehalte" herangezogen. Angestrebt wird, die Quote der Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln bezogen auf die Ergebnisse des repräsentativen Monitorings in allen Produktgruppen bei allen einheimischen und eingeführten Produkten bis zum Jahr 2021 auf unter 1 Prozent zu senken.

Um einen direkten Bezug zum Verbraucherrisiko herstellen zu können, wird zusätzlich die Quote der Überschreitungen der akuten Referenzdosis (ARfD) ausgewiesen.

Nationales Monitoring: Datenerhebung

Eine geeignete Datenbasis für die Ermittlung der prozentualen Rückstandshöchstgehaltsüber-schreitungen liefert das Monitoring gemäß der §§ 50-52 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuchs (LFGB). In diesem national koordinierten Monitoring werden Proben von Lebensmitteln u. a. zur Untersuchung auf Pflanzenschutzmittelrückstände nach einem jährlich festgelegten Probenahmeplan repräsentativ und unter Berücksichtigung biostatistischer Aspekte gezogen, mit dem Ziel die Verbraucherexposition zu ermitteln.

Nationales Monitoring: sechsjähriger Monitoringzyklus

Seit 2009 wird dabei für das Monitoring von Pflanzenschutzmittelrückständen ein überarbeitetes Konzept angewandt, bei dem der Umfang der beprobten Lebensmittel über 90 % des durchschnittlich zu erwartenden Verzehrs der Gesamtbevölkerung beträgt. Dieser sogenannte Warenkorb wird in einem Zyklus von sechs Jahren auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. Die Beprobung wird größtenteils innerhalb eines Dreijahresprogramms durchgeführt, für Lebensmittel mit einem geringen gesundheitlichen Risikopotenzial innerhalb eines sechsjährigen Zyklus.

Dieser Monitoringzyklus wurde in den Jahren 2009-2014 erstmalig durchlaufen, so dass eine erste Auswertung im Hinblick auf den NAP-Indikator "Quote der Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte (RHG)" erfolgen konnte. Der zweite Zyklus (2015-2020) zur Untersuchung des gesamten Warenkorbes auf Pflanzenschutzmittelrückstände ist ebenfalls bereits vollendet. Nach Übermittlung der letzten noch ausstehenden Daten erfolgt die nächste Auswertung mit Blick auf den Indikator.

Auswertung des ersten Monitoringzyklus:

Höchstgehaltsüberschreitungen

Im Untersuchungszeitraum vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2014 wurden insgesamt 27.239 Monitoringproben auf Pflanzenschutzmittel untersucht.

Von diesen stammten 12.742 Proben (46,8 %) aus Deutschland, 7.245 Proben (26,6 %) aus anderen EU-Mitgliedstaaten und 4.982 Proben (18,3 %) aus Drittländern. Für 2.270 Proben (8,3 %) ist die Herkunft nicht bekannt.

In 577 (2,1 %) der Proben wurden Rückstände über dem Höchstgehalt nachgewiesen. Davon wurden 258 (0,9 %) Proben von der zuständigen Vollzugsbehörde als nicht verkehrsfähig beanstandet (gesicherte Überschreitung der RHG).

Für die Gruppierung der Produkte wurden die zwei ersten Doubletten des Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 verwendet. Als Ergebnis resultieren insgesamt 44 Gruppen, für welche die Indikatoren auf Basis der Monitoringdaten berechnet wurden.

Bei Erzeugnissen deutscher Herkunft lag die Quote der gesicherten RHG-Überschreitungen in 8 Gruppen über 1 %. Bezogen auf die Grundgesamtheit der 44 Gruppen sind damit in 18 % der Gruppen die gesicherten Höchstgehalte überschritten. Dies entspricht einem Zielerreichungsgrad von 82 % hinsichtlich der Zielquote von weniger als 1 % Überschreitungen je Erzeugnisgruppe für Erzeugnisse aus Deutschland.

Bei den Erzeugnissen mit Herkunft aus anderen EU-Mitgliedstaaten lag in 10 Gruppen die Quote der gesicherten RHG-Überschreitungen über 1 %. Daraus ergibt sich ein Zielerreichungsgrad von 77 %.

Bei den Erzeugnissen mit Herkunft aus Drittstaaten lagen in 14 Gruppen mehr als 1 % gesicherte RHG-Überschreitungen vor. Dies entspricht einem Zielerreichungsgrad von 68 %.

Zu dieser Auswertung können weitere Informationen insbesondere zur gesundheitlichen Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in dem gemeinsamen Bericht des BMEL, BVL und BfR unter https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Verbraucherschutz/Lebensmittelsicherheit/Bericht_PSM-Rueckstaende_Exposition.html

Auswertungen zur Quote der Überschreitungen der Akuten Referenzdosis (ARfD)

Die Auswertung wurde erstmals für das Jahr 2017 vorgenommen und erfolgt seitdem jährlich.

2017 wurde in zwei beanstandeten Proben die akute Referenzdosis einer Substanz überschritten. Dies betraf eine Probe in der Gruppe Zitrusfrüchte mit Herkunft EU (0,2 %) und eine Probe in der Gruppe Blattgemüse mit Herkunft EU (0,7 %).

Im Jahr 2018 wurde in neun beanstandeten Proben die akute Referenzdosis überschritten. Darunter waren 4 Proben Kohlgemüse aus Deutschland (3 %), 2 Proben Pilze aus der EU (2,9 %), je eine Probe Fruchtgemüse aus der EU (0,3 %) und aus Drittstaaten (1,3 %) sowie eine Probe Kohlgemüse ohne Herkunftsangabe.

2019 wurden in sechs beanstandeten Proben ARfD-Überschreitungen festgestellt bzw. ein gentoxischer Stoff ohne Schwellenwert nachgewiesen. Darunter war je eine Probe Stängelgemüse (0,7 %), Fruchtgemüse (0,7 %) und Blattgemüse (0,2 %) aus Deutschland, je eine Probe großer Früchte mit nicht essbarer Schale (1,3 %) sowie Beeren (0,8 %) aus Drittstaaten und eine Probe Beeren unbekannter Herkunft.

Fazit

Das Ziel, die Quote der Überschreitungen der RHG von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln aller Herkünfte auf unter 1 % in jeder Produktgruppe zu senken, wurde noch nicht erreicht. Jedoch wurde nur bei vereinzelten Proben ein gesundheitliches Risiko als möglich erachtet (Überschreitung der ARfD eines Stoffes bzw. Nachweis eines gentoxischen Stoffes ohne Schwellenwert). Ziel ist es, die Zahl solcher Proben kontinuierlich zu verringern. Für eine Zielerreichung sind daher weitere Anstrengungen notwendig. So gilt es die Ursachen in den jeweiligen Gruppen mit hohen Überschreitungsquoten hierfür zu ermitteln sowie Maßnahmen zu ihrer Vermeidung zu ergreifen.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Monitoring und zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln:
http://www.bvl.bund.de/monitoring
http://www.bvl.bund.de/nbpsm