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Indikatoren/Forschung

Situation der Offizialberatung in den Ländern (Beratungsindex)

Situation der Offizialberatung in den Ländern (Beratungsindex) 2019

Stand: 20.11.2020

Einleitung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein könne, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung wird im Bereich Landwirtschaft u.a. der Indikator „Situation der Offizialberatung in den Ländern“ herangezogen, mit dem alle drei Jahre die Situation, d.h. der Erhalt, Ausbau und / oder Stärkung der Offizialberatung der Länder abgebildet werden soll. Er dokumentiert das Beratungsangebot der Länder und zeigt damit auf, in welchem Umfang die Offizialberatung die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe mit Beratungsangeboten versorgt (Beratungsindex). Für den Indikator wurde kein quantifiziertes Ziel festgelegt.

Um die Ziele des Nationalen Aktionsplans zu erreichen, ist es u.a. sinnvoll, eine unabhängige Offizialsberatung in den Ländern sicherzustellen. Die Beratung zum Pflanzenschutz ist als Aufgabe der Länder im Pflanzenschutzgesetz verankert. Die Bundesländer haben für 2019 für verschiedene Sektoren Beratungsindices erarbeitet. Für den Nationalen Aktionsplan wurden die Indices der Bundesländer zu bundesweiten Indices zusammengefasst. Die letzte Erfassung der sektorspezifischen Indices erfolgte im Jahr 2016.

Berechnung

Der Index stellt die Beratungsangebote bezogen auf die Anzahl der Betriebe dar. Die Bezugsgröße bei der Berechnung des Beratungsindex ist die Zahl der Betriebe ab einer Mindestgröße, unabhängig von ihrer Flächenausstattung.

Um die bestehende Differenzierung bei den Beratungsangeboten zu verdeutlichen und Trends ableiten zu können, erfolgt die Berechnung des Beratungsindex in den folgenden Sektoren: Ackerbau, Obstbau incl. Erdbeeren, Weinbau, Gemüsebau, Hopfenanbau, Zierpflanzenbau und Baumschulen incl. Weihnachtsbaumkulturen sowie das Öffentliche Grün.

Beratungsangebote im Sinne des Beratungsindexes sind die Weitergabe von Informationen durch gedruckte und digitale Medien (Merkblätter, Broschüren, Warndienste, Infodienste), sowie die Durchführung von Veranstaltungen (Feldtage, Versuchsbegehungen, Winterveranstaltungen, Fortbildungen) und persönliche Beratungen (telefonisch, per E-Mail oder vor Ort) Einzelner oder von Gruppen.

Die Beratungsangebote werden in den einzelnen Sektoren über die Auflagen, Teilnehmer- bzw. geschätzte Nutzerzahlen und aufgewandte Beratungsstunden ermittelt und zur Zahl der Betriebe ins Verhältnis gesetzt. Aus dem Mittelwert über die verschiedenen Beratungsangebote der Länder ergibt sich der bundesweite sektorspezifische Beratungsindex.

Ein Beratungsindex mit dem Wert 1,0 drückt aus, dass rechnerisch jedem Betrieb die oben genannten Beratungsangebote einmal im Jahr zur Verfügung stehen bzw. er sie nutzt.

Erstmals wurden die Beratungsindices 2013 berechnet, die Erhebung erfolgt regelmäßig alle drei Jahre. Ein Vergleich der Ergebnisse 2016 mit den Ergebnissen 2013 ist nicht möglich, da sich Änderungen in der Erfassungsmethode ergeben haben. 2019 hat ein Bundesland die Erfassung eines der oben aufgezählten Beratungsangebote verifiziert, dies hat auch einen gewissen Einfluss auf den Bundesdurchschnitt und sollte bei der Betrachtung der Gesamtergebnisse bedacht werden.

Ergebnisse

Die Bundesländer (ausgenommen Stadtstaaten) haben für verschiedene der oben genannten Sektoren im Jahr 2019 Beratungsindices erarbeitet. Die Stadtstaaten haben 2019 einen Beratungsindex für das Öffentliche Grün ermittelt. Für den Nationalen Aktionsplan wurden die Indices der Bundesländer zu bundesweiten Indices zusammengefasst.

Für das Jahr 2019 ergibt sich, dass für den Sektor Ackerbau mit einem Beratungsindex von 0,31 weniger Beratung angeboten oder genutzt wurde. Im Obstbau liegt der bundesweite Index bei 1,02, im Zierpflanzenbau bei 0,82, im Gemüsebau bei 0,74, und bei den Baumschulen bei 0,69. In den Sektoren Hopfenanbau und Weinbau wurden mit Indices von 1,11 bzw. 1,32 im Jahr 2019 die Beratungsangebote am intensivsten genutzt. Der Beratungsindex für den Bereich Öffentliches Grün, der von den Stadtstaaten ermittelt wurde, liegt bei 0,21 (s. Abbildung 1).

Beim Vergleich der Ergebnisse 2019 zur letzten Erhebung 2016 kann kein allgemeiner Trend festgestellt werden. In den Sektoren Öffentliches Grün, Gemüsebau, Zierpflanzenbau und Obstbau liegen die bundesweiten Werte höher als 2016. Im Ackerbau, in der Baumschule, sowie im Hopfenanbau und Weinbau liegen die Werte niedriger (s. Abbildung 2).

Beim Vergleich der Ergebnisse ist zu beachten, dass ein Bundesland seine Erfassung des Beratungsangebots "Abonnement Warndienst bzw. Zahl regelmäßiger Nutzer" in allen Sektoren angepasst hat. Dadurch ergibt sich ein niedrigerer Wert für dieses Angebot, was auch einen Einfluss auf die Gesamtergebnisse hat.

Der größte Unterschied zum Jahr 2016 zeigt sich 2019 im Hopfenanbau. Dies ist darauf zurückzuführen, dass zwei Bundesländer weniger Einzel-/ Gruppenberatung durchgeführt haben. Ein Bundesland hat die Erfassung des Beratungsangebotes "Abonnement Warndienst bzw. Zahl regelmäßiger Nutzer" spezifiziert, wodurch bei der Zählung 2019 ein niedrigerer Wert entsteht. 2019 hat ein zusätzliches Bundesland Ergebnisse mit einem Wert kleiner 1 für diesen Sektor gemeldet. Da nur in vier Bundesländer dieser Sektor relevant ist und diese Länder Daten bereitgestellt haben, fallen die genannten Faktoren relativ stark ins Gewicht.

Ergebnisse für die verschiedenen erfassten Beratungsangebote wurden 2019 beispielhaft für die Sektoren Ackerbau und Obstbau berechnet (s. Abbildung 3). Sie liegen für den weniger beratungsintensiven Ackerbau bei Werten zwischen 0,13 für das Beratungsangebot Feldtage/Versuchsbegehungen und 0,40 für das Angebot Merkblatt/Broschüre. Beim beratungsintensiveren Sektor Obstbau liegen die Ergebnisse zwischen 0,48 für das Beratungsangebot Feldtage/Versuchsbegehungen und 1,99 für die Einzel- bzw. Gruppenberatung.

Weiterführende Informationen

Die Offizialberatung ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich organisiert. Die Länder sind verantwortlich für die unabhängige staatliche oder staatlich geförderte Beratung. Die Kontaktadressen zu den amtlichen Auskunftsstellen für Pflanzenschutz der Länder (Pflanzenschutzdienste) sind auf folgender BVL-Website hinterlegt:

https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/01_amtl_Auskunftsstellen/Auskunftsstellen_node.html

 https://www.nap-pflanzenschutz.de/integrierter-pflanzenschutz/pflanzenschutzberatung/