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Über den Aktionsplan

Lückenindikationen im Pflanzenschutz

Eine Person trägt einen Korb mit Gemüse

© ldprod - stock.adobe.com

Lückenindikationen im Pflanzenschutz sind Anwendungsgebiete von geringfügigem Umfang bzw. geringer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung, für die keine oder keine ausreichenden und praktikablen Bekämpfungsverfahren existieren oder für die die zugelassenen Pflanzenschutzmittel keine oder keine ausreichende Problemlösung gewährleisten. Maßnahmen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz sollen dazu beitragen, diese Situation zu verbessern.

Hintergrund

Seit 2012 ist der integrierte Pflanzenschutz gesetzlich vorgeschrieben. Er basiert auf der situationsbezogenen Kontrolle von Schadorganismen bei gleichzeitiger Verhinderung der Resistenzbildung gegenüber Pflanzenschutzmitteln und ist nur möglich, wenn das Spektrum der verfügbaren Pflanzenschutzmaßnahmen – ganz gleich ob chemisch oder nichtchemisch – ausreichende Wahlmöglichkeiten lässt, um auf die gegebene Situation angemessen reagieren zu können.

In Kulturen mit großem Anbauumfang bzw. für die Kontrolle regelmäßig auftretender, bekämpfungswürdiger Schadorganismen sind in der Regel genügend Pflanzenschutzverfahren verfügbar. 

Besonders häufig finden sich solche Lückenindikationen in gartenbaulichen Kulturen und im Bereich des Vorratsschutzes. Aber auch im Weinbau, Forst und in einigen ackerbaulichen Kulturen sind Lückenindikationen von Bedeutung. Hier ist die Durchführung des integrierten Pflanzenschutzes und auch des Pflanzenschutzes im ökologischen Landbau nur eingeschränkt möglich bzw. es stehen keine ausreichenden Bekämpfungsmöglichkeiten für die wichtigsten Schadorganismen zur Verfügung.

Bund-Länder-Programm zum Schließen von Indikationslücken im Pflanzenschutz

Das "Bund-Länder-Programm zum Schließen von Indikationslücken im Pflanzenschutz" wurde am 1. August 2014 von den AbteilungsleiterInnen "Landwirtschaftliche Erzeugung" in Bremen beschlossen.

Vor dem Hintergrund der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz ist der Zweck dieses Bund-Länder-Programms, die Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bereich der Lückenindikationen zu stärken.

Zukunftsfähige Infrastrukturen und effiziente Verfahren sollen dazu beitragen, den Ressourceneinsatz von Bund und Ländern zu optimieren und damit die Verfügbarkeit integrierter Pflanzenschutzverfahren für die betroffenen Kulturen kurz-, mittel- und langfristig zu sichern.

Mit dem Beschluss des "Bund-Länder-Programms zum Schließen von Indikationslücken im Pflanzenschutz" wurde die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikationen (BLAG-LÜCK) gegründet. Sie diskutiert Fragen der Lückenindikationen, erarbeitet Lösungen und gibt Empfehlungen. In der BLAG-LÜCK werden die gemeinsamen Aktivitäten der Länder inhaltlich vorbereitet, koordiniert und vereinbart. Die BLAG-LÜCK arbeitet mit Bundes- und Landesbehörden, der vom BMEL eingerichteten "Arbeitsgruppe Lückenindikationen" und mit anderen Institutionen zusammen.

Weitere Informationen

Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Thema "Lückenindikationen"

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert seit September 2013 über den Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (pt-ble) das Verbundvorhaben "Verbesserung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln für kleine Kulturen in Gartenbau und Landwirtschaft". Initiiert wurde das Vorhaben vom Deutschen Bauernverband e.V. (DBV) und dem Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG). Wissenschaftliche Expertise liefert das Julius Kühn-Institut (JKI).

Das Modellvorhaben unterstützt die Zielerreichung des Nationalen Aktionsplans in Bezug auf die geringfügigen Anwendungen.

Ziel des Modell- und Demonstrationsvorhabens ist es, Verfahrenswege zum Schließen von Pflanzenschutzlücken vor dem Hintergrund des neuen EU-Zulassungsrechts zu erarbeiten. Es sollen Bekämpfungsstrategien dargestellt und Lösungsansätze aufgezeigt werden. Das Modellvorhaben soll die deutschen Arbeiten zum Schließen von Lücken besonders durch Recherchen und Kooperationen im europäischen und internationalen Raum unterstützen.

Diese werden dann in die "Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikationen" sowie in die „Commodity Expert Groups Minor Uses der EU“ kommuniziert. Die Ergebnisse werden über den Informationsdienst "hortigate" und die europäische Datenbank EUMUDA veröffentlicht.

Informationen zum Vorhaben werden der Öffentlichkeit auf einer eigens zum Projekt gestalteten Internetseite verfügbar gemacht:

Verbundvorhaben "Lückenindikationen"

Der Verbund besteht bis Ende 2017 aus zwei Teilprojekten:

1. Recherchen & Datentransfer (Förderkennzeichen: 2810MD005)

Laufzeit: 01.08.2013 – 31.07.2020

Projektnehmer: ZVG in Zusammenarbeit mit DBV

Schwerpunkte der Arbeiten sind:

a) die Recherche und Aufbereitung vorhandener Lösungen in den EU-Mitgliedstaaten und weltweit zu Lückenindikationen in Ackerbau, Gemüsebau, Zierpflanzenbau, Baumschulen und Obstbau. Die Arbeiten werden an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen durchgeführt.

b) Erarbeitung von Verfahren für Kommunikation und Datentransfer zwischen Praxis, Verbänden, Industrie und EU-Gremien. Durchgeführt werden die Arbeiten im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz.

2. Forschung (Förderkennzeichen: 2810MD006)

Laufzeit: 01.10.2013 – 31.12.2017

Das JKI ist Projektleiter und Projektnehmer. Das JKI untersucht neueste Ergebnisse der weltweiten Forschung auf ihre Eignung zur Schließung von Bekämpfungslücken im Pflanzenschutz. Der Fokus liegt auf nichtchemischen Methoden und Mitteln.

Poster zum Projekt (pdf-Datei)

Koordination der Arbeiten zu Lückenindikationen auf europäischer Ebene

Die EU-Koordinationsstelle für "Minor uses" begleitet, unterstützt und koordiniert die Arbeiten der EU-Mitgliedstaaten zum Schließen von Lückenindikationen. Dabei arbeitet sie eng mit den entsprechenden Stellen in den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission zusammen. Die Koordinationsstelle ist bei der European and Mediterranean Plant Protection Organization (EPPO) in Paris angesiedelt und wird gemeinsam von der Europäischen Kommission und von den Regierungen Deutschlands, Frankreichs und den Niederlanden finanziert.

Website Minor Uses

Website EPPO