Springe zur Hauptnavigation Springe zu den wichtigen Themen Springe zum Inhalt

Praxis

Biologischer Pflanzenschutz

Marienkäfer bei der Arbeit

© Andrea Wilhelm - stock.adobe.com

Trotz Beachtung aller vorbeugender Maßnahmen können sich Schadorganismen bei klimatisch günstigen Bedingungen massenhaft vermehren und die Erträge und deren Qualität deutlich mindern. Aus diesem Grund ist die Anwendung direkter Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Besondere Bedeutung kommt deshalb dem biologischen Pflanzenschutz im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz zu. Dessen erklärte Ziele sind es, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren, Anwender und Verbraucher zu schützen sowie die Belastungen für die Umwelt und das Grundwasser zu verringern. Biologische Pflanzenschutzverfahren können zudem als Alternativen bei der Schließung von Bekämpfungslücken genutzt werden. Im Ökologischen Landbau spielen sie eine besondere Rolle, da hier nur eine begrenzte Anzahl von Pflanzenschutzmitteln nur auf naturstofflicher Basis zur Verfügung stehen.

Biologische Pflanzenschutzverfahren beruhen im wesentlichen auf zwei Kernelementen: Ausnutzung und Förderung natürlicher Gegenspieler sowie Anwendung von Naturstoffen.

Ausnutzung und Förderung natürlicher Gegenspieler

Gegenspieler (Antagonisten) zu Krankheitserregern und Schädlingen können natürlich vorkommende Mikroorganismen, Viren, Insekten, Milben oder Nematoden sein. Eine hohe Selektivität und somit eine geringe Gefährdung für Mensch und Naturhaushalt weisen biologische Pflanzenschutzverfahren auf, die auf mikrobiellen Antagonisten oder auf makrobiotischen Nützlingen beruhen.

Weitere Informationen

Anwendung von Naturstoffen

Naturstoffe werden einerseits zur Regulierung von Schaderregern angewendet (naturstoffbasierte Pflanzenschutzmittel) und andererseits als Pflanzenstärkungsmittel.

Weitere Informationen

Anwendung von Pheromonen

Zur direkten Regulierung von Schadorganismen werden, neben Kaliseifen, Pflanzenölen und Pflanzenextrakten, auch Pheromone eingesetzt. Pheromone sind artspezifisch und ungiftig. Sie werden zum Auffinden von Geschlechtspartnern innerhalb der gleichen Art gebildet.

Die "Verwirrungsmethode" basiert auf der Freisetzung synthetischer Pheromone in hoher Konzentration, so dass beispielsweise Traubenwicklermännchen orientierungslos werden und nicht zu den Weibchen finden. Die Vermehrung dieses spezifischen Schädlings wird dadurch gehemmt. Zur frühzeitigen Entdeckung und Überwachung schädlicher Insekten werden außerdem "Pheromonfallen" angewendet.

Regelmäßige Statuserhebungen zum biologischen Pflanzenschutz

Das Julius Kühn-Institut (JKI) erhebt in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder in regelmäßigen Abständen Daten zur Anwendung biologischer Pflanzenschutzverfahren in der Pflanzenschutzpraxis und dokumentiert diese im Statusbericht Biologischer Pflanzenschutz. Der aktuelle Bericht 2013 enthält Schätzdaten über die Anwendung biologischer Pflanzenschutzverfahren in den Jahren 2009 und 2010:

Statusbericht Biologischer Pflanzenschutz 2013

Forschung im Bereich Biologischer Pflanzenschutz

Das Institut für Biologischen Pflanzenschutz des JKI ist das einzige Fachinstitut in Deutschland, in dem das gesamte Spektrum des biologischen und biotechnologischen Pflanzenschutzes bearbeitet wird. Bei der Entwicklung und Bewertung von Pflanzenschutzverfahren, die auf der Nutzung natürlicher Antagonisten von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen basieren, nimmt es somit eine Schlüsselrolle ein.

Das Institut koordiniert beispielsweise das EU-Projekt "co-free" (Innovative strategies for copper-free low input and organic farming systems), in dem Pflanzenextrakte und Mikroorganismen als Alternativen zum Einsatz von Kupfer im Ökologischen und integrierten Anbau in Europa untersucht werden.

Weitere Informationen zum Projekt:

Homepage zum EU-Projekt "co-free"

Gesetzlicher Rahmen

Die im Ökologischen Landbau erlaubten Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, die auf pflanzlichen, tierischen, mikrobiellen oder mineralischen Inhaltstoffen basieren, sind in der Verordnung (EG) Nr. 834/2007, Anhang II Teil B (Pflanzenschutzmittel) verzeichnet. Verboten sind die Anwendung synthetischer Pflanzenschutzmittel insbesondere Herbizide sowie die Anwendung gentechnisch veränderter Organismen oder ihrer Produkte.
Weiterhin dürfen zukünftig auch Grundstoffe (englisch: Basic substances) gemäß Artikel 23 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 als Pflanzenschutzmittel im Ökologischen Landbau angewendet werden, wenn es sich um traditionell verwendeten Substanzen wie z. B. Brennnesselbrühe oder Schachtelhalmbrühe handelt. Grundstoffe sind solche Stoffe, die nicht in erster Linie für den Pflanzenschutz verwendet werden, aber dennoch für den Pflanzenschutz von Nutzen sind. Weitere Merkmale sind, dass es sich dabei nicht um bedenkliche Stoffe handelt, dass die Stoffe keine Störungen des Hormonsystems und keine neurotoxischen oder immuntoxischen Wirkungen auslösen können, und dass sie nicht als Pflanzenschutzmittel vermarktet werden. Pflanzenstärkungsmittel dürfen grundsätzlich im Ökolandbau  zur allgemeinen Gesunderhaltung der Pflanzen angewendet werden oder wenn sie dazu bestimmt sind, Pflanzen vor nichtparasitären Beeinträchtigungen zu schützen.

Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bietet aktuelle Informationen über zugelassene Pflanzenschutzmittel:

Website des BVL