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Praxis

Pflanzenschutz im Ökologischen Landbau

Dispensor mit weiblichen Sexualduftstoffen zur Verwirrung der männlichen Apfelwickler und Fruchtschalenwickler. Copyright: BLE, Thomas Stephan

Copyright: BLE, Thomas Stephan

Im Ökologischen Landbau wird ein geschlossener Betriebskreislauf angestrebt. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als Organismus mit den Bestandteilen Mensch, Tier, Pflanze und Boden gesehen. Dieser ganzheitliche Ansatz bedeutet für den Bereich Pflanzenschutz die konsequente Ausnutzung natürlicher Regulationsprozesse und aller vorbeugenden Maßnahmen. Erst als letzte Maßnahme werden Schädlinge und Krankheiten mit naturstofflichen Pflanzenschutzmitteln reguliert.

Vorbeugende Maßnahmen

Alle vorbeugenden Maßnahmen verfolgen das Ziel, Boden und Pflanzen gesund zu erhalten und die Widerstandskraft der Pflanzen gegenüber Schaderregern zu stärken.

Bodengesundheit

Angestrebt wird ein gesunder, aktiver, belebter Boden, der aus sich heraus ein krankheitshemmendes Potenzial mit sich bringt. Ein solcher Boden zeichnet sich durch einen ausreichenden Gehalt an Humus (organische Bodensubstanz) aus sowie durch optimierte Umsetzungsbedingungen, wie gute Durchlüftung, Wasserversorgung und pH-Wert. Unter diesen Bedingungen können Wechselwirkungen und Regelmechanismen wirksam werden, die das Entstehen von Krankheiten verhindern und somit die Pflanzengesundheit fördern können. Eine optimale Bodenbearbeitung zielt darauf ab, eine maximale Durchwurzelung des Bodens als Voraussetzung für eine optimale Pflanzenentwicklung zu ermöglichen.

Wahl standortangepasster Kulturpflanzen und Sorten

Die Wahl standortangepasster Sorten ist ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf Pflanzengesundheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Schaderregern. Die Pflanzenzüchtung kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Züchtungsziele für Pflanzen für den Ökologischen Landbau unterscheiden sich zum Teil erheblich von denen für den konventionellen Landbau. Während hier beispielsweise kurzstrohige Getreidesorten präferiert werden (geringere Lagergefahr bei vergleichsweise hohem Stickstoffangebot), werden im Ökologischen Landbau mit begrenzter Stickstoffverfügbarkeit langstrohige Sorten mit planophiler Blattstellung bevorzugt, die ein höheres Potenzial zur Unkrautunterdrückung haben. Weitere Voraussetzung für hohe Erträge im Ökologischen Pflanzenbau sind Pflanzen, die gegen Krankheiten resistent und für ein hohes Nährstoffaneignungsvermögen gut bewurzelt sind. Daneben setzt die Züchtung für den Ökologischen Pflanzenbau vor allem auch auf samenfeste Sorten, bei denen Saatgut vom Anbauer nachgezogen werden kann.

Vielfältige Fruchtfolge / Anbaupausen

Eine diverse, auf die jeweiligen Standortbedingungen abgestimmte Fruchtfolge ist insbesondere im Ökologischen Landbau eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung der Pflanzengesundheit und Beikrautregulierung auf einem wirtschaftlich akzeptablen Niveau.

Um einem Aufschaukeln von Fruchtfolgekrankheiten entgegenzuwirken, sind notwendige Anbaupausen unbedingt zu beachten. Dies betrifft sowohl die Selbstunverträglichkeit von Leguminosen als auch die Begrenzung des Getreideanteils auf insgesamt maximal zwei Drittel.

Nützlingsförderung

Eine strukturierte Agrarlandschaft mit Hecken und Randstreifen in Form von qualitativ hochwertigen Saumbiotopen bietet Lebensraum für Nützlinge (u. a. bestäubende Insekten, Vögel), die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge. In einem solchen Agrarökosystem wird ein hohes Maß an Selbstregulation gewährleistet.

Im Obstbau tragen Blühstreifen mit heimischen Wildkräutern in der Fahrgasse zur Förderung von Nützlingen bei. An dieser Thematik wird im Verbund von Wissenschaft und Praxis noch viel gearbeitet. Erste Ergebnisse dieser Arbeit finden Sie in der Broschüre "Blühstreifen mit heimischen Wildkräutern in Apfelanlagen zur Förderung natürlicher Gegenspieler von Blattläusen".

Problemfeld: Kupfer als Pflanzenschutzmittel