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Praxis

Integrierter Pflanzenschutz

Landwirt überprüft Bestand im Rapsfeld

© zorandim75 - stock.adobe.com

Eine erste Konzeption des IPS wurde bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts begründet. Grund dafür war  die zunehmende Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie die Erkenntnis, dass Pflanzenschutz, ohne hinreichende Berücksichtigung biologischer Zusammenhänge und ökologischer Wechselwirkungen, keine dauerhaften Erfolge erzielen kann. Aus einem anfänglich strategischen Ansatz entwickelte sich, durch Forschung und Entwicklung und mit politischer Unterstützung, ein umfassendes Konzept, das sich weltweit etabliert hat.

Schon im 1985 verabschiedeten Verhaltenskodex der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen über das Inverkehrbringen und die Anwendung von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln (FAO – Code of Conduct on the Distribution and Use of Pesticides) wurde der IPS als zentrales Element eines nachhaltigen Pflanzenschutzes herausgehoben. Nähere Informationen zum Internationalen Verhaltenskodex für Pestizidmanagement.

In der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (United Nation – Conference on Environment and Development) in Rio de Janeiro 1992 und der Agenda 21 ist der integrierte Pflanzenschutz als eine optimale Lösung für die Zukunft und als weltweites Leitbild für den Pflanzenschutz in einer nachhaltigen Landwirtschaft anerkannt worden.

Der IPS wird im Pflanzenschutzgesetzt definiert als eine "Kombination von Verfahren, bei denen unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wurde" (PflSchG, in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Mai 1998). Dabei beschreibt das notwendige Maß "die Intensität der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die notwendig ist, um den Anbau der Kulturpflanzen, besonders vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit, zu sichern. Dabei wird vorausgesetzt, dass alle anderen praktikablen Möglichkeiten zur Abwehr und Bekämpfung von Schadorganismen ausgeschöpft und die Belange des Verbraucher- und Umweltschutzes sowie des Anwenderschutzes ausreichend berücksichtigt werden". 

Der Bundesrat hat am 16. Dezember 2011 dem vom Deutschen Bundestag am 10. November 2011 verabschiedeten neuen Pflanzenschutzgesetz zugestimmt. Anlass der Novellierung ist die Anpassung der nationalen Gesetzgebung an die neuen EU-rechtlichen Vorgaben. Diese dienen der Harmonisierung des Pflanzenschutzrechts in der Europäischen Union (EU). Eine Grundlage für die Gesetzesnovelle ist die Richtlinie 2009/128/EG über einen Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden (Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie). 

Gemäß § 3 des neuen Pflanzenschutzgesetzes darf Pflanzenschutz nur nach guter fachlicher Praxis durchgeführt werden. Diese beinhaltet die Einhaltung der allgemeinen Grundsätze des IPS nach Anhang III der Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie. Die im Anhang III der Richtlinie aufgeführten acht allgemeinen Grundsätze des IPS werden in der EU spätestens mit Beginn des Jahres 2014 für alle Anwender von Pflanzenschutzmitteln verbindlich.

Zudem sollen nach § 14 der Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie kulturpflanzen- oder sektorspezifische Leitlinien des IPS erstellt werden. Diese sind viel spezifischer als die allgemeinen Grundsätze. Sie unterstützen den Entscheidungsprozess der Landwirte und Berater mit konkreten Angeboten für Maßnahmen. Leitlinien stellen somit ein wichtiges Instrument für die dauerhafte Anwendung des IPS dar. Die Anbauverbände oder staatliche Einrichtungen sind im § 14 der Richtlinie angesprochen solche Leitlinien zu entwickeln und für Unterstützung zu sorgen, dass Landwirte diese Leitlinien freiwillig anwenden. Jeder EU-Mitgliedsstaat entscheidet selbst, ob kulturpflanzen- oder sektorspezifische Leitlinien des IPS maßgeblich und geeignet sind, um in die nationalen Aktionspläne aufgenommen zu werden.

Weiterhin stellt der Bericht zur Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 heraus, dass der Pflanzenschutz  nicht nur in der Agrarproduktion sondern auch zum Schutz von Vorräten ein unverzichtbarer Bestandteil sei. Dadurch werden verbundene unvermeidbare Risiken für Mensch, Tier und Naturhaushalt vermindert. Neben biologischen und kulturtechnischen Pflanzenschutzmaßnahmen gehören hierzu auch die technische Fortentwicklung der Pflanzenschutzgeräte, einschließlich moderner Verfahren zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln (z. B. Precision Farming, Sensorsteuerung, Robotik) sowie die Vermeidung der Ein- und Verschleppung von Schadorganismen. (Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 - Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft, 2010, S. 23).