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Integrierter Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Ziel des Nationalen Aktionsplan ist  es, die Risiken, die bei der Anwendung von Pflanzenschutzmittel entstehen k√∂nnen, weiter zu reduzieren. Daher verfolgt er die Begrenzung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Ma√ü.

Kulturpflanzen werden von Schaderregern wie Insekten, Milben, Pilzen, Bakterien und Viren befallen und konkurrieren mit Unkr√§utern um Licht, Wasser, N√§hrstoffe und Raum. Um die Ernte und ihre Qualit√§t zu sichern, sind Pflanzenschutzma√ünahmen zur Regulierung von Krankheiten, Sch√§dlingen und Unkr√§utern erforderlich. Sie sch√ľtzen auch das Erntegut w√§hrend der Lagerung, um dessen Lebensmittel- und Verarbeitungsqualit√§t zu erhalten. Die Anwendung von Pflanzenschutzmittel ist eine wichtige Ma√ünahme im Konzept des integrierten Pflanzenschutzes. Pflanzenschutzmittel werden gebraucht, wenn es keine praktikablen alternativen Ma√ünahmen gibt.

‚ÄěDas notwendige Ma√ü bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln beschreibt die Intensit√§t der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die notwendig ist, um den Anbau der Kulturpflanzen, besonders auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit, zu sichern. Dabei wird vorausgesetzt, dass alle anderen praktikablen M√∂glichkeiten zur Abwehr und Bek√§mpfung von Schadorganismen ausgesch√∂pft und die Belange des Verbraucher-und Umweltschutzes sowie des Anwenderschutzes ausreichend ber√ľcksichtigt werden.‚Äú

(Punkt 6.1.4 des NAP vom 10. April 2013)

Welche Arten von Pflanzenschutzmitteln gibt es?

Pflanzenschutzmittel k√∂nnen zum einen basierend auf ihren Inhaltsstoffen unterteilt werden. Dementsprechend werden chemisch-synthetische, chemische und biologische Pflanzenschutzmittel unterschieden. Zu den biologischen Mitteln z√§hlen Stoffe pflanzlicher Herkunft (Pflanzenextrakte, Pflanzen√∂le), naturidentische Stoffe (Pheromone) sowie Mikroorganismen wie Bakterien und Viren. Chemische Mittel basieren auf nat√ľrlichen Elementen wie Kupfer oder Schwefel. Chemisch-synthetische Mittel werden aus chemischen Grundstoffen k√ľnstlich hergestellt.

Pflanzenschutzmittel k√∂nnen zum anderen nach Wirkungsbereichen unterschieden werden. Zur Bek√§mpfung von Unkr√§utern werden Herbizide eingesetzt. Breitband- oder Totalherbizide wirken nicht selektiv und erfassen mit wenigen Ausnahmen den gesamten Pflanzenbewuchs. Andere Herbizide haben dagegen einen engen Einsatzbereich wie zum Beispiel Graminizide zur Bek√§mpfung von Ungr√§sern. Fungizide werden zur Bek√§mpfung von Pilzen eingesetzt. Sie k√∂nnen protektiv wirken, in dem sie die gesunden Pflanzen(-teile) vor einem Befall sch√ľtzen, oder ihre Wirkung ist kurativ, in dem Sie einen vorhandenen Befall in den Pflanzen und eine weitere Ausbreitung eines Pilzes stoppen. Zur Regulierung von tierischen Schadorganismen werden verschiedene weitere Pflanzenschutzmittelgruppen angewendet wie Insektizide zur Bek√§mpfung von Schadinsekten oder Rodentizide zur Bek√§mpfung von Schadnagern. Repellentien dienen der Vergr√§mung von V√∂geln oder Wild. Eine weitere wichtige Gruppe sind die Wachstumsregulatoren, welche die biologischen Prozesse von Pflanzen wie das Wachstum oder die Fruchtreife beeinflussen.

Was ist bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu beachten?

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist durch das Pflanzenschutzgesetz und weitere Rechtsvorschriften geregelt. Grundsätzlich sind bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln die gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz und die Grundsätze zum integrierten Pflanzenschutz zu beachten. Weitere wichtige Vorgaben bei der Anwendung sind insbesondere folgende Punkte:

  • Sachkunde im Pflanzenschutz 
  • Sachgerechte Anwendung ‚Äď Pflanzenschutzmittel m√ľssen f√ľr das vorgesehene Anwendungsgebiet (Kultur und Schaderreger) zugelassen sein und d√ľrfen nur entsprechend der Gebrauchsanleitung angewendet werden. Die Gebrauchsanleitung enth√§lt zum Beispiel n√§here Angaben zur maximalen Aufwandmenge, zum richtigen Anwenderschutz oder √ľber Auflagen zum Schutz des Naturhaushalts.
  • Sichere  Pflanzenschutztechnik
  • Dokumentation ‚Äď Berufliche Anwender wie Landwirte oder G√§rtner sind verpflichtet, Aufzeichnungen √ľber ihre Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln zu machen und diese mindestens f√ľr einen Zeitraum von drei Jahren aufzubewahren

Die Pflanzenschutzdienste der L√§nder √ľberwachen, ob bei der Anwendung von Pflanzenschutzmittel die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Weitere Information zum bundesweiten Pflanzenschutz-Kontrollprogramm

Hinweis

Die Pflanzenschutzdienste der Länder beraten zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie zum integrierten Pflanzenschutz.

Kontaktadressen der amtlichen Pflanzenschutzberatung

Zulassung von Pflanzenschutzmitteln

Pflanzenschutzmittel d√ľrfen nur angewendet werden, wenn sie zugelassen sind. Voraussetzung f√ľr eine Zulassung ist, dass die enthaltenen Wirkstoffe zuvor bereits auf europ√§ischer Ebene gepr√ľft und genehmigt wurden. Zudem muss der Hersteller oder Vertreiber des Pflanzenschutzmittels der zust√§ndigen Beh√∂rde nachweisen, dass bei sachgerechter Anwendung keine sch√§dlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt entstehen. Die Vorgaben f√ľr das Zulassungsverfahren einschlie√ülich der notwendigen Risikobewertung sind in der europ√§ischen Zulassungsverordnung (EG) Nr. 1107/2009 geregelt. Das Bundesamt f√ľr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist die zust√§ndige Beh√∂rde in Deutschland. Alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel k√∂nnen in einer Datenbank auf der Webseite des BVL abgerufen werden.

Fragen und Antworten zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf der Webseite des BVL

BVL-Flyer "Pflanzenschutzmittel - Sorgf√§ltig gepr√ľft, verantwortungsbewusst zugelassen" (pdf-Datei)

Grundstoffe im Pflanzenschutz

Neben Pflanzenschutzmitteln k√∂nnen auch sogenannte Grundstoffe (englisch: Basic substances) f√ľr den Pflanzenschutz eingesetzt werden. Grundstoffe sind gem√§√ü Artikel 23 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 solche Stoffe, die nicht in erster Linie f√ľr den Pflanzenschutz verwendet werden, aber dennoch f√ľr den Pflanzenschutz von Nutzen sind. Weitere Merkmale sind, dass es sich dabei nicht um bedenkliche Stoffe f√ľr Mensch und Umwelt handelt und dass sie nicht als Pflanzenschutzmittel vermarktet werden. Dies kann insbesondere auf Lebensmittel zutreffen. Zum Beispiel kann Bier als Grundstoff in Schneckenfallen eingesetzt werden.

Das BVL gibt auf seiner Webseite eine Übersicht, welche Grundstoffe in der Europäischen Union genehmigt sind:

Weitere Informationen zu Grundstoffen auf der Webseite des BVL