Springe zum Hauptinhalt der Seite

Indikatoren/Forschung

Pflanzenschutzmittel in Oberflächengewässern (OFG)

Pflanzenschutzmittel in Oberflächengewässern (OFG)

Stand: 09.12.2020

Einleitung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein können, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung im Bereich Gewässerschutz wird u.a. der Indikator "Pflanzenschutzmittel in Oberflächengewässern (OFG)" herangezogen, mit dem die Belastung von Oberflächengewässern mit Pflanzenschutzmitteln bzw. Pflanzenschutzmittelwirkstoffen erfasst werden soll. Angestrebt wurde ab 2015 keine Überschreitung der Umweltqualitätsnormen der Oberflächengewässerverordnung und Einhaltung der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung (0,1 µg/l für die Einzelstoffe und 0,5 µg/l für die Summe) für alle Pflanzenschutzmittelwirkstoffe in Oberflächengewässern (beschränkt auf Messstellen, in deren unmittelbarem Einzugsgebiet, Trinkwasser teilweise aus Oberflächenwasser oder Uferfiltrat gewonnen wird). 

Beschreibung

Die Umweltqualitätsnormen (UQN) für prioritäre und flussgebietsrelevante Pflanzenschutzmittelwirkstoffe in Oberflächengewässern sind in der Oberflächengewässerverordnung festgelegt (OGewV 2011, Anlagen 5 und 7) und damit gesetzlich verankert. Die OGewV von 2011 enthielt UQN für 74 PSM. Die überarbeitete OGewV vom 20.06.2016 enthält 69 PSM (Anlagen 6 und 8), darunter einige neu geregelte. Unter den 69 Stoffen sind 31 derzeit zugelassene PSM-Wirkstoffe. Zur Berechnung des Indikators werden diese 31 derzeit zugelassenen PSM-Wirkstoffe mit der UQN aus der OGewV von 2016 verwendet. Basis sind die UQN für den Jahresmittelwert (JD-UQN) und falls festgelegt Jahreshöchstwert (ZH-UQN) in der Wasserphase. Die UQN gilt als insgesamt überschritten, wenn sie von mindestens einem der 31 Stoffe überschritten wird.

Die Messdaten für Pflanzenschutzmittel an Oberflächengewässern können auch mit den Grenzwerten nach Trinkwasserverordnung verglichen werden – jedoch sind diese Grenzwerte nur für Trinkwasser gesetzlich festgelegt. Es besteht keine Verpflichtung zur Einhaltung an den Überblicksmessstellen von Fließgewässern. Ausgewertet wird der jeweilige Jahreshöchstwert. Eine Überschreitung des Grenzwertes nach Trinkwasserverordnung an einer Überblicksmessstelle lässt keinen Rückschluss auf PSM-Belastungen des Rohwassers oder des Trinkwassers zu. Uferfiltration und Aufbereitung verringern die Konzentrationen.

Zur Berechnung werden die Daten des Überblicksmessnetzes Fließgewässer zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) benutzt. Das sind ca. 260 Messstellen, vorwiegend an größeren Fließgewässern. Darunter sind 71 Messstellen, in deren unmittelbaren Einzugsgebieten Trinkwasser teilweise aus Oberflächenwasser oder Uferfiltrat gewonnen wird. Der Anteil Oberflächenwasser oder Uferfiltrat kann je nach Messstelle und hydrologischen Bedingungen auch sehr gering sein. An einigen Messstellen können Belastungen aus dem benachbarten Ausland auftreten.

Der Indikator wird ab 2006 berechnet. Da nicht alle Wirkstoffe an allen Messstellen jährlich gemessen werden, werden in die nachfolgend gezeigten Abbildungen Überschreitungen oben genannter Normen aus zwei Vorjahren einbezogen.

Aussage

An rund 60% der WRRL-Überblicksmessstellen wurden die Umweltqualitätsnormen der OGewV 2016 in den letzten betrachteten Jahren eingehalten (Abb. 1). Die in der Abbildung vermeintlich erkennbare Zunahme der belasteten Messstellen beruht vermutlich vor allem darauf, dass Überschreitungen auf wenige Pflanzenschutzmittel beschränkt sind, darunter einige, die erst 2016 geregelt wurden, niedrige Umweltqualitätsnormen haben und in den früheren Jahren nicht überwacht wurden oder wegen zu hoher Bestimmungsgrenzen des Analysenverfahrens nicht überwacht werden konnten. Zu Trends sind daher keine Aussagen möglich.

An nur 30 bis 50% derjenigen Überblicksmessstellen in deren unmittelbaren Einzugsgebieten Trinkwasser teilweise aus Oberflächengewässern oder Uferfiltrat gewonnen wird, werden die Trinkwassergrenzwerte ständig eingehalten (Abb. 2). Die vermeintliche Abnahme nach 2010 beruht vermutlich vor allem darauf, dass immer mehr der in der OGewV seit 2011 geregelten Stoffe ihre Zulassung verlieren. Die Bestimmungsgrenzen unterschreiten immer den Trinkwassergrenzwert.
Die Abbildungen 1 und 2 basieren auf den Datenreihen aus den Jahren 2006 bis 2019.