Bienenbrotmonitoring Deutscher Pflanzenschutzindex

Stand: 22.10.2021

Beschreibung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein können, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung im Bereich Biologischen Vielfalt wird u.a. der Indikator "Bienenbrotmonitoring" herangezogen, der die festgestellten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Bienenbrot (in den Bienenstock eingetragener Pollen) beschreibt. Für diesen Indikator wurde im NAP kein quantifiziertes Ziel festgelegt.

Der Indikator basiert auf Daten, die seit 2004 im Rahmen des Projektes "Deutsches Bienenmonitoring (DeBiMo)" erhobenen werden. Weiterhin werden im Rahmen des Projektes Daten zum Umfang auftretender Winterverluste an Bienenvölkern in ausgewählten Imkereien sowie zur Prävalenz der wichtigsten Bienenkrankheiten (insbesondere der Varroose) erhoben. Aufgrund seiner Struktur, Stichprobengröße und Datenerfassung ist das DeBiMo langfristig angelegt und nicht darauf ausgerichtet, relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen zu erfassen.

Bundesweit wirken über 100 Imker mit. Sie stellen repräsentativ und aktuell Daten zu Betriebsstrukturen und zur Überwinterungsdynamik ihrer Völker sowie Bienen-, Honig- und Pollenproben für Krankheits- und Rückstandsanalysen zur Verfügung.

Diagramme

Diagramm 1: Häufigkeiten der Belastungen von Bienenbrotproben in 2019 und 2020.
Diagramm 2: Verteilung der nachgewiesenen Wirkstoffe nach Klassen in 2020.

Aussage

Im Rahmen des Projektes DeBiMo wird das im Bienenvolk eingelagerte Bienenbrot untersucht. Als Bienenbrot wird Blütenpollen bezeichnet, der von den Bienen im Bienenstock bei der Einlagerung in die Wabenzellen mit Speichel vermischt und dadurch haltbar gemacht wird. Im Bienenbrot sind höhere Wirkstoffmengen zu erwarten als im Nektar. Zudem dient das Bienenbrot über längere Zeit als Nahrung für Ammenbienen und Larven und kann daher zu langfristigen Effekten führen.

Im Bienenbrot können über 400 Wirkstoffe und deren Metabolite (Abbauprodukte) aus dem Pflanzenschutz nachgewiesen und quantifiziert werden ("Multimethode", LUFA Speyer). Die Rückstandsbelastung spiegelt im Wesentlichen die landwirtschaftliche Praxis wider. Die Rückstandsprobleme, die sich im Rahmen der Imkerei u.a. aus der chemischen Bekämpfung der Varroamilbe ergeben können, sind vernachlässigbar.

Die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen 2020 bestätigen im Wesentlichen die Ergebnisse aus den Vorjahren des Projektes. Im Jahr 2020 wurden alle Bienenstandorte seit 2009 georeferenziert, wobei 40 Proben keine Geo-Koordinaten zugeordnet werden konnten. Von den insgesamt 128 untersuchten Proben stammte die Mehrzahl aus dem Sommer (83 Proben), sowie aus dem Frühjahr (40 Proben) und Herbst (5 Proben).

In 2020 wurden mit der validierten Multimethode insgeamt 457 Substanzen in den Analysebericht aufgenommen. Von diesen 457 getesteten Substanzen waren 13 nicht in der Analyse von 2019. Dagegen wurden 10 Substanzen, die 2019 untersucht wurden, nicht in die Analysen für 2020 aufgenommen. Das Herbizid Foramsulfuron wurde erstmalig untersucht. Vier weitere Wirkstoffe tauchten das erste Mal in den Bienenbrotproben auf: die Insektizide Bifenthrin (1x, 0,007 mg/kg) und Esfenvalerat (1x unter der Bestimmungsgrenze). Dazu kamen die Herbizide Prosulfuron (1x, 0,007 mg/kg) und Florasulan (1x unter der Bestimmungsgrenze). Von den 457 untersuchten Wirkstoffen und Metaboliten wurden insgesamt 83 in den Bienenbrotproben nachgewiesen. Das sind 7 weniger, als in 2019. Die Rückstände lagen hierbei meist im Spurenbereich. 65 Wirkstoffe wurden mindestens einmal oberhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen. In 96,9% der Proben konnten Pflanzenschutzmittel-Rückstände gefunden werden, in 67,1% mit mindestens einem Wirkstoff oberhalb der Bestimmungsgrenze. Das bedeutet einen Rückgang von 11,2 Prozentpunkten gegenüber 2019 (78,3%).

Fungizide wurden am häufigsten detektiert, wobei unter allen Wirkstoffen das Fungizid Boscalid (40,6%) an erster Stelle steht. Die höchste Konzentration wurde bei dem Wirkstoff Folpet (1,960 mg/kg) gemessen, einem Fungizid, das hauptsächlich im Weinbau verwendet wird. Thiacloprid war das am häufigsten nachgewiesene Insektizid und wurde in 30,5% der Proben gefunden. Dieser Wirkstoff war auch das Insektizid, bei dem die höchste Konzentration gemessen wurde (0,099 mg/kg).

Von den insgesamt 128 Bienenbrotproben waren 124 mindestens mit einem Wirkstoff belastet. Durchschnittlich fanden sich 5,44 Wirkstoffe in den Proben (Median = 4). Es ergaben sich 696 Nachweise von Wirkstoffen, davon lagen 48% (334 Nachweise) oberhalb der jeweiligen Bestimmungsgrenze und 52% oberhalb der Nachweisgrenze (362 Nachweise). Insgesamt konnten 37 nicht bienengefährliche Fungizide (Auflage B4, davon 36 oberhalb der Bestimmungsgrenze), 24 Herbizide (B4, 15 oberhalb der Bestimmungsgrenze), 17 Insektizide (10 oberhalb der Bestimmungsgrenze) und 3 sonstige Wirkstoffe nachgewiesen werden (1x das Insekten-Repellent DEET, 1x das Vogel-Repellent Anthrachinon, 1x das Biozid/Konservierungsmittel ortho-Phenyphenol).

Ein direkter Zusammenhang zwischen Pflanzenschutz und Winterverlusten war nicht nachzuweisen. Es zeigte sich vielmehr wie in den Vorjahren ein hochsignifikanter Einfluss der Varroabelastung und der damit verbundenen Viruserkrankungen im Herbst auf die Überwinterung der Bienenvölker. Auch wenn die Rückstandsdaten keine akut toxischen Konzentrationen zeigen, so addieren sich bei zahlreichen Proben die Wirkstoffmengen der einzelnen Wirkstoffe auf mehr als 100 µg.

Anhand der im Rahmen des DeBiMo durchgeführten Pflanzenschutzmittel-Rückstandsuntersuchungen im Bienenbrot können relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen nicht erfasst werden. Der Kontakt der Bienenvölker mit subletalen Dosen von Pflanzenschutzmitteln wird jedoch kontinuierlich dokumentiert und dadurch Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis und deren Auswirkungen auf die Bienenvölker erfasst. Daneben unterstreichen die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen die Sinnhaftigkeit der Bemühungen der Bieneninstitute, Landwirte dahingehend zu beraten und zu animieren, auch die Menge der als "nicht bienengefährlich" eingestuften Pflanzenschutzmittel möglichst zu reduzieren oder diese zumindest außerhalb der täglichen Hauptflugzeiten auszubringen. Dadurch können Rückstandsbelastungen und mögliche subletale und/ oder additive Effekte minimiert werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Deutschen Bienenmonitoring:
https://bienenmonitoring.uni-hohenheim.de